Warten auf das Medizinstudium

 05.11.2017

 

Egal, warum du gerade auf dieser Seite gelandet bist  - Ob du gerade deinen Brief mit einem Ablehnungsbescheid geöffnet hast, schon von vornerein wusstest, dass das mit dem Medizinstudium keine so schnelle Sache wird oder du schon seit langer langer Zeit auf einen Platz wartest und hoffst, dass du endlich angenommen wirst - ich sage dir ganz ehrlich:

 

Ich weiß nicht was du durchmachst. Ich weiß nicht durch welche sieben Höllen du gehst, weil es schon wieder nicht geklappt hat und ich weiß auch nicht was ich an deiner Stelle tun würde.

 

Ich wurde nun aber schon ein paar Mal gefragt, ob ich Ratschläge habe, wie man eventuell die Wartezeit verkürzen kann, ob ich irgendwelche Tricks kenne, aber – und das hast du dir wahrscheinlich schon gedacht – die habe ich leider nicht (denn sonst würde ich sie sofort teilen!).

 

Denn auch wenn ich im Internet nach Tipps recherchiere, es ist DEIN Traum. Und ich bin mir sicher, wenn du schon auf diesen Artikel hier gestoßen bist, hast du dir eine Millionen mal mehr Beiträge zu diesem Thema durchgelesen als ich und kennst die ewige Leier von wegen TMS, Losverfahren, Punkteverbesserung, Anwalt, Ausland, Privat-Unis etc. schon längst.

 

Ich habe hier in diesem Artikel eventuell ein paar Tipps für dich, die du vielleicht noch nicht kennst, aber ich habe hier auch etwas anderes, etwas viel Wichtigeres in diesem Text gesammelt: Hoffnung. Denn deshalb bist du eigentlich auf dieser Seite gelandet, oder? Nicht um dir zum zehnten Mal die 0815-Tipps durchzulesen. Und ich habe diesen Artikel hier ebenso nicht geschrieben, damit du dir zum zehnten Mal die 0815-Tipps durchliest. Ich möchte, dass du aus dem Artikel neue Hoffnung schöpfen kannst.

 

Ich habe ein paar Leute interviewt und hier folgend die Antworten zusammengetragen. Menschen, die es geschafft haben über Wartezeit oder anders zum Studium zu gelangen. Menschen, die auch mal da standen, wo du jetzt stehst. Die nicht aufgegeben haben um ihren Traum zu kämpfen.

 

 

Adrian

Also ich finde ich habe die Zeit mit meiner Ausbildung sehr sinnvoll genutzt. Ich würde jedem, der auf nicht abzusehende Zeit warten muss, raten eine 3-jährige medizinische Ausbildung (Notfallsanitäter, Krankenpflege, OTA) zu machen, und diese auch auf jeden Fall abzuschließen.

Denn je älter man wird, desto beruhigender ist das Gefühl, was in der Hinterhand zu haben, bzw. während des Studiums die Option zu haben sich etwas Geld nebenbei im medizinischen Alltag zu verdienen.

Außerdem bekommt man so einen realistischen Eindruck davon, wie der Alltag eines Arztes ist (hohe Belastung, viele Überstunden etc.).

 

Ich hätte mich im Nachhinein auch schon früher mit dem Thema Studienplatzklage beschäftigen sollen, bzw. mich mal informieren sollen. Auch mit dem Test für Medizinische Studiengänge hätte mich beschäftigen sollen. Aber retrospektiv darüber zu hadern macht keinen Sinn.

 

Man sollte auch die Bundeswehr als Alternative sehen und versuchen dort die Sanitätsoffizierslaufbahn anzustreben. Abschließend ist zu sagen, dass ich nichts bereue! Ändern kann man verpasste Chancen im Leben sowieso nicht. Wie und wann man an sein Ziel gesagt ist vollkommen egal. Hauptsache man erreicht es. Also Fokus auf das, was vor einem ist, und nicht die Hoffnung verlieren!

 

Ich habe nichts gegen Unis im Ausland. Wenn man sich das leisten kann, ist das eine super Option. Auch wenn man dafür einen Kredit aufnehmen muss, muss ich mittlerweile sagen, ist das voll okay. Man investiert in seine Zukunft. Gibt natürlich bessere Startmöglichkeiten ins Berufsleben als mit 60.000€ Schulden, aber vielleicht für den ein oder anderen, der nicht ewig und 3 Tage warten will, eine ernsthafte Option.

 

 

Kerstin

Also. Ich bereue in keinster Weise Krankenpflege gemacht zu haben. Denn man lernt "zuvor" schon einen Blick für den Patienten zu entwickeln.

 Ob ich etwas anders machen würde: Falls ich nochmal warten müsste, dann würde ich das wieder so machen.

 

 

Bettina

Ich würde es nochmal so machen! Es war echt demütigend immer wieder eine Ablehnung zu bekommen, aber jetzt bin ich endlich vor dem Physikum und habe die Möglichkeit aus meiner Chance was zu machen. Ich kam sehr gut in den letzten Semestern zurecht und hatte eine super „Wartezeit“ mit einem tollen Job als Krankenschwester.

Und auch wenn die anderen jünger sind, wir haben die Erfahrung, und die kann uns keiner nehmen.

 

 

Tim

Also ich würde nochmal meine Ausbildung machen. Ich hatte Geld, konnte Reisen, leben und habe vor allem viel Lebenserfahrung gesammelt, die einem im Studium weiterhilft einiges entspannter zu sehen.

 

Anni

Also nach dem Abitur fand ich es natürlich erst mal total doof, dass ich nicht sofort studieren konnte, sondern erst mal eine Ausbildung machen musste und dann sogar noch eine Zeit lang gearbeitet habe. Die Zeit in der Wartezeit empfand ich damals als sehr anstrengend, weil ich permanent das Gefühl hatte auf der Stelle zu treten. Das lag aber größtenteils daran, dass ich eben auch unbedingt studieren wollte. Zwischenzeitlich hatte ich sogar mit dem Gedanken gespielt etwas anderes als Medizin zu beginnen, nur damit ich endlich 'weiterkomme'. Das habe ich aber letztendlich nicht getan, weil ich nach ständigem Überdenken doch immer wieder zu dem Schluss kam, dass der Medizinstudiengang das einzige ist, was alles beinhaltet, was mich interessiert und womit ich später arbeiten möchte. Erst im Studium ist mir dann klar geworden, wie viel mir die Ausbildung und die Arbeitserfahrung gebracht hat. Mal abgesehen von dem reinen Fachwissen, was ich stellenweise schon hatte, hatte ich auch das Gefühl, dass mir mein mehr an Lebenserfahrung viel gebracht hat. Ich fühlte mich etwas routinierter im Umgang mit Stress, im Zeitmanagement und, was vielleicht auch nicht zu unterschätzen ist: Ich hatte die 'wilde Zeit' mit Parties, verreisen, erste Liebe und so schon durch. Ich konnte mir gut auf's Studium konzentrieren. Andererseit muss ich auch sagen, dass sehr schwer für mich war, mein geregeltes Leben in der Arbeit aufzugeben und nochmal ganz neu anzufangen. Und auch dass ich erstmal zu den 'Älteren' gehörte und damit nicht zur breiten Masse, war zu Beginn beängstigend.... Im Großen und Ganzen denke ich, war mein Weg für mich genau der richtige. Ich denke, dass ich das Medizinstudium direkt nach dem Abitur defintiv nicht so gut geschafft hätte, wie ich es bisher getan habe. Eine Ausbildung vor dem Studium finde ich wirklich sehr hilfreich und sinnvoll. Nicht nur, kann man so in den Arbeitsbereich hineinschnuppern und schon ein paar Erfahrungen sammeln, man hat auch die Zeit persönlich etwas zu reifen, was gerade als Arzt im Umgang mit Patienten durchaus von Vorteil sein kann. Mir ist das sehr zu Gute gekommen, aber natürlich 'braucht' das nicht jeder um im Studium und später im Arbeitsleben erfolgreich zu sein. Definitiv ist eine Ausbildung aber kein Rückschritt und ein Treten auf der Stelle, wenn man eigentlich studieren will und kann eine sehr gute Hilfe sein, wenn man sich vielleicht noch unschlüssig ist über die eigenen Ziele. Und außerdem ist es ein sehr angenehmes Gefühl, bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung zu haben, auf die man zurückgreifen kann, falls doch mal alles schief läuft, was schief laufen kann oder falls man in den Semesterferien Geld zu verdienen muss.

 

 

Susi

Ich glaube, ich würde es wieder so machen. Nach dem Abi habe ich nicht mit so vielen Wartesemestern gerechnet (damals waren es 8), aber rückblickend waren es tolle Jahre mit einer tollen Ausbildung, welche ich aber auch erst im Laufe der Zeit so richtig zu schätzen gelernt habe!

Und die Möglichkeiten, die man auch durch eine Berufstätigkeit hat (finanziell, dadurch reisen usw.) und vor allem die "persönliche Reifung" ist sehr sehr viel Wert! Es hat mir schon jetzt enorm weitergeholfen.

Also - finde deinen Weg! Vielleicht eine andere medizinische Ausbildung oder aber ein Studium im Ausland. Egal wie: Wenn du wirklich Arzt/Ärztin werden willst, dann halte daran fest! Es lohnt sich!

 

 

Catarina

Ich habe erst etwas anderes studiert und daher keine Wartesemester gehabt. Ich habe dann 1,5 Jahre Scheine über andere Studiengänge (Chemie, Biologie) gesammelt und ein Semester anerkannt bekommen. Dadurch habe ich dann direkt einen Platz im zweiten Fachsemester bekommen. (…) Wenn man sich aufs zweite Fachsemester bewirbt, geht das bei den Unis direkt. Man ist auch nicht eingeschränkt in der Anzahl der Bewerbungen. Das geht aber nicht ganz reibungslos und hat mich sehr viel Nerven gekostet.

 

 

Julian

Also ich habe 15 Wartesemester gebraucht, hab in der Zeit eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht und anschließend gearbeitet. Rückblickend hätte ich mich wohl immer wieder dafür entschieden.

Einzig mein Abi hätte ich besser gemacht, war damals einfach zu unreif. Zukünftigen Studenten, die noch warten oder gerade anfangen zu warten, würde ich auf jeden Fall raten die Zeit bis zum Studium vielleicht nicht nur zu arbeiten, sondern auch das Leben zu genießen und sich nicht zu große Sorgen wegen dem Lernen zu machen, denn es ist alles machbar!

 

 

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