Endlich effektiver Lernen

14.01.2017

 

Du stehst vor deinen nächsten Klausuren und weißt nicht wie du das alles bloß schaffen sollst? Du hast am Ende des Tages schon wieder das Gefühl nichts erledigt zu haben?

 

Auch ich habe ganz lange nach einer idealen Methode gesucht, möglichst viel mit wenig Aufwand zu lernen und trotzdem noch Zeit für Freunde und Sport zu finden.

 

Ich zeige dir in diesem Post, dass es keine schlaflosen Nächte, 1000 Energy-Drinks und Zeitdruck braucht, um produktiv zu sein, eine gute Note zu bekommen und die Schule und das Studium zu meistern.

 

Neugierig geworden? Dann geht’s jetzt los:

 

 

1. DAS ZIEL

 

Die allerwichtigste Frage, die es zu beantworten gilt:

 

Was ist eigentlich dein Ziel? Und wofür lernst du überhaupt?

 

Menschen, die kein Ziel vor Augen haben oder denen der „Sinn“ nicht wichtig genug erscheint, werden nie motiviert an die Sache herangehen und auch niemals erfolgreich sein.

 

Also was willst du? Willst du „nur“ bestehen? Eine bestimmte Note erreichen?

Egal, welches Ziel du dir gestellt hast, es ist von nun an deine Motivation und nichts anderes, nicht die (immer) fehlende Zeit und auch nicht Angst oder Panik.

 

Schreibe dir auf ein Blatt Papier was du erreichen willst und hänge es gut sichtbar an einen Ort, an dem du dir jeden Tag Zeit nimmst, die Worte nochmal durchzulesen, damit du dir immer vor Augen führst, was DIR wichtig ist.

 

Natürlich kannst du das mit den Zielen auf alle Bereiche des Lebens ausweiten.

 

So stelle ich mir Ziele für den einzelnen Tag, die Woche, für den Monat und das Jahr egal ob es um das Lernen, Sport oder meinen Blog geht.

 

 

2. DAS A UND O: DIE PLANUNG

 

Nachdem du dir ein Ziel gesetzt hast, stellt sich die nächste Frage: Wie kannst du es erreichen? Was musst du die nächsten Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre tun, damit du dein Ziel verwirklichst?

 

Hierbei geht es erstmal darum einen groben Plan zu erstellen. Eventuell fällt es dir am Anfang schwerer dich selbst einzuschätzen, aber keine Sorge: Je öfter du dir einen Plan erstellst, desto besser wirst du in deiner Einschätzung von dir selbst und auch deiner Zeit.

 

Plane unbedingt Puffer ein. Das sind Pausen, die du gewollt oder auch nicht gewollt nimmst (sei es wegen Krankheit, Feiern, Überarbeitung).

 

Mindestens einen Tag pro Woche solltest du dir freinehmen.

 

Auch wenn du glaubst, dass du durch diese Pausen in Zeitverzug gerätst, erstens bedenke, dass du diese Pausen nicht nehmen MUSST, sie sind nur für den Fall der Fälle da. Zweitens fühlt man sich nach Einfach-mal-nichts-tun-Tagen so viel energiegeladener, das schon allein dieser Tag die Produktivität wieder steigert.

 

Besonders wenn du während deiner Lernzeit auch noch arbeiten oder zur Uni gehen musst, ist es ratsam dem Körper genug Pausen zu gönnen. Er wird es dir danken und du dadurch deine Zeit effizienter nutzen.

 

  Der ganze Stoff scheint dir unmöglich zu bewältigen?

 

Als ich drei Monate vor meinem letzten Staatsexamen stand, dachte ich mir zu Anfang auch: Wie soll ich DIESEN BERG an Informationen in meinen Kopf reinbekommen?

In solchen Momenten wird einem dann doch etwas mulmig und dieses Gefühl hörte auch erst dann auf, als ich mir einen Plan machte: ich schrieb mir also ganz genau auf in welcher Zeit ich welche Strecke dieses Berges abgehen würde, damit ich am Ende AUSGERUHT an die Spitze gelange und trotzdem möglichst viel erlebt habe.

 

Was ich damit sagen will: Jede Information kann man zerteilen und die Kunst ist, diese dem Gehirn in Häppchen aber beständig jeden Tag zu präsentieren, anstatt zu versuchen die ganze Information auf einmal in den Kopf reinzubekommen.

 

Medizinisch gesehen ist es auch extrem sinnvoll so vorzugehen, denn unser Gehirn ist kein Autotank, den man einmal mit Informationen füllt und der dann alles speichert.

Unser Gedächtnis besteht aus einem feinen Netzwerk von Millionen von Zellen, die immer wieder wachsen und sich neu verbinden, wenn wir lernen. Je öfter wir dieses Netzwerk nutzen, also je öfter wir uns mit dem Thema beschäftigen, desto stärker verfestigt sich dieses Netzwerk.

 

Deswegen fällt es uns auch aller Anfang immer schwer, da es zwischen den Zellen noch garkeine Verknüpfungen gibt.

 

Nachdem du einen groben Plan erstellt hast, geht es nun um die Feinheiten. Feinheiten plane ich höchstens eine Woche voraus, da man vieles einfach nicht miteinberechnen kann und leicht in Zeitverzug gerät und so dann doch wieder Zeitdruck und Angst zur Hauptmotivation werden.

 

Diesen Satz: „Ich kann nur unter Zeitdruck gut und effektiv lernen“ kann ich mir übrigens nicht mehr anhören, denn er ist schlichtweg FALSCH! Wer Zeit zu seinem Hauptmotivationsfaktor werden lässt, hat gelinde gesagt keine andere Motivation vorzuweisen. An sich ist es egal, was genau dein Motivationsfaktor ist, aber es sollte auf keinen Fall die Zeit sein, denn unter Stress wird im Gehirn ein ganz natürlicher Prozess in Gang gesetzt, der zu einer Blockade führt.

 

Obwohl kurzzeitige Angst (bis zu Minuten dauernd) ein sehr nützlicher Faktor sein kann, warum man sich Dinge gut merkt, wirkt sich längere Angst, langzeitiger Druck, chronischer Stress auf das Gehirn negativ aus, ergo arbeiten wir so ineffizienter! Wer sagt er könne nur unter Zeitdruck lernen, kann das vielleicht, aber er schöpft damit nicht sein volles Potential aus.

 


3. WAS MUSS ICH ÜBERHAUPT LERNEN?

 

Bevor man sich ins Gemenge stürzt und anfängt mit A und wahrscheinlich nie bei Z ankommen wird, sollte man sich zunächst die Frage stellen, was wirklich RELEVANT ist. Ob du für eine Klausur, für dich oder für deine späteren Patienten lernst, du wirst eine sehr lange Zeit benötigen ALLES zu lernen. Also ist es ratsam mit den wichtigsten Themen zu beginnen und zu den „unwichtigsten“, unwahrscheinlichsten vorzugehen.

 

Noch ein paar Worte zum Thema Perfektionismus: Klar ist es schön, überall mit einer Hochglanzleistung abzuschließen und nur nach dem Höchsten zu streben, aber halte dir dafür folgendes vor Augen: 80% deiner Ergebnisse erreichst du mit 20% Gesamtaufwand. Für die restlichen 20% der Ergebnisse musst du jedoch 80%(!) deiner Kraft und deiner Zeit aufwenden!* Deswegen ist es ratsam, sich zu überlegen, ob man diese 20% wirklich benötigt, oder seine Zeit lieber anders verwenden will.

 

*Pareto-Prinzip, benannt nach Vilfredo Pareto (1848–1923)

 


4. DEN TAG EXAKT PLANEN: DIE POMODORO-TECHNIK

 

Das mag jetzt extrem übertrieben klingen, aber ich plane meinen Lerntag immer ganz genau nach der Pomodoro-Technik. Ich mache das seit der 10. Klasse und habe es damit von einem Notendurchschnitt von 2,8 zu 1,4 gebracht!

 

Mein Plan sah z.B. zu Staatsexamenszeiten ungefähr so aus:

 

 

Das ist natürlich „nur“ mein Plan vor meinem Staatsexamen. Indem man sich einen begrenzten Zeitraum zum Lernen schafft, hier also 45 Minuten, ist man auch gewollt, genau dieses Thema in der vorgegebenen Zeit durchzuarbeiten. Habe ich mich gerade richtig fit gefühlt, habe ich die Pause einfach ausfallen lassen, weitergelernt und dann am Ende eine halbe Stunde Pause gemacht.

 

Sich so einen Plan zu erstellen, bringt unglaublich viel:

 

Erstens spuken nicht mehr 1000 Aufgaben in deinem Kopf herum, sie sind alle notiert und du hast für jede Aufgabe auch ihre Zeit vorgesehen.

 

Zweitens weiß du am Anfang des Tages genau was du von diesem Tag erwarten kannst und am Ende des Tages genau was du erreicht hast.

 

Die Pausen sind auch nicht ohne Grund eingeplant. Damit man für die nächste Lerneinheit wieder startklar ist, unbedingt vom Schreibtisch aufstehen, die Durchblutung anregen, lüften und was trinken.

 

Am Anfang hatte ich Angst, dass ich durch diese ganzen Pausen in Verzug gerate. Ich dachte, nur wenn ich lange lerne, würde ich auch gut lernen, was aber nicht immer richtig ist: Ein paar Menschen können vielleicht ohne Pausen stundenlang durchlernen und sind dabei auch super produktiv, ich habe jedoch für mich gemerkt, dass ich vieeel effektiver bin, wenn ich kurze Pausen mache.

 


5. KENNE DEINE LERNZEITEN

 

Wie man aus dem Plan sehen kann, bin ich weder der richtige Frühaufsteher noch die wahre Nachteule, ich habe meine produktivste Zeit zwischen 9-12 Uhr und 14-16 Uhr, wobei ich meine Lernzeit immer mit etwas beginne, was mir leicht fällt und mir Spaß macht sozusagen als „Aufwärmen“ für mein Gehirn.

 

Dass ich zu diesen Zeiten produktiv bin, habe ich mir nicht angewöhnt. Ich kann zu diesen Zeiten einfach am meisten aufnehmen, besonders am Vormittag. Abends habe ich eher so meine kreativen Phasen, in denen ich zum Beispiel an meinem Blog schreibe.

 

Also finde deine Phasen, zu welchen du am meisten aufnehmen kannst und diese Zeit somit am effektivsten nutzt. Dabei ist ganz wichtig:

 

VERGLEICHE DICH NICHT MIT ANDEREN!

 

Deine effektivste Zeit zu Lernen ist 23:00 Uhr bis 2:00 Uhr nachts? Wunderbar, dass du das schon weißt. Lass dich bloß nicht von Morgenmenschen um 9 Uhr morgens anrufen, die dir nur erzählen wollen, dass sie schon seit 3 Stunden lernen und du dann glaubst, dein Tag sei schon verloren. Und bitte schenke auch keinem Ratgeber einen Glauben, der dir weiß machen will, du sollst zeitig in den Tag starten, morgens erstmal joggen und so weiter und so fort. Jede Uhr tickt anders und das ist auch gut so! Viel wichtiger ist es, gut ausgeruht und ausgeschlafen in den Tag zu starten, egal wann dieser beginnt!

 

Was tun, wenn du dich dann mal doch nicht konzentrieren kannst?

 

DANN LASS ES SEIN! Nichts ist schlimmer, als seine kostbare Zeit am Schreibtisch zu verschwenden und stundenlang den gleichen Satz wieder und wieder zu lesen und doch nicht zu verstehen.

 

Gibt es vielleicht eine andere Aufgabe auf deiner to-do-Liste der Woche, die dir jetzt vielleicht leichter fallen würde? Gehst du vielleicht doch jetzt schon zum Sport und legst die Lerneinheit danach an? Probier es aus!

 


6. LERNEN FÜR SCHRIFTLICHE VS. MÜNDLICHE PRÜFUNGEN

 

Die meisten Klausuren im Medizinstudium sind Multiple-Choice (abgekürzt MC) Klausuren. Das bedeutet, dass man von fünf möglichen Antworten eine ankreuzen soll. Diese Klausuren wurden deshalb konzipiert, da es darum geht, Faktenwissen abzufragen ohne großes Rumgelaber und ohne größeren Kontrollaufwand.

 

Hast du also eine MC-Klausur vor dir, musst du keine Sätze auswendig lernen, sondern solltest die Stichworte und Regelkreise beherrschen.

 

Stehst du wiederrum vor einer mündlichen Prüfung, solltest du Fakten ausformulieren können. Mir hat es hier extrem geholfen in Lerngruppen das Wissen zu wiederholen und Sätze auszuformulieren. Am besten ist es, wenn man sich zu dritt oder viert zusammensetzt und dann das Wissen abprüft. Auch Altprotokolle von Prüfern sind hier sehr sinnvoll, da es deren Vorlieben aufzeigt. Wenn du keine Möglichkeit hast mit anderen zu üben, tut es vielleicht auch ein Skype-Lern-Date oder vielleicht sogar ein Spiegel?

 

 

7. DAS GEHIRN FÜTTERN

 

Lernen ist ungefähr wie Essen: Wir brauchen unterschiedliche Quellen der Nahrung, um uns ausgewogen und vollständig zu ernähren. Essen wir zu einseitig, fehlt uns was. Genauso funktioniert es auch mit dem Lernen:

 

Wenn du ständig nur aus einem Buch lernst, kennst du auch nur einen Wortlaut. Biete deinem Gehirn ein wenig Abwechslung! Es gibt mittlerweile soooo gute Youtube-Videos zu den verschiedensten Themen, Miamed ist bei Medizin ganz vorne dabei. Nutze Wikipedia, wenn du einzelne Stichworte nicht verstehst, gehe zu Vorlesungen oder besuche Seminare. Jeder wird dir ein anderes Blickfeld ermöglichen, damit du das Thema voll und ganz verstehen kannst. Und wenn du etwas verstehst, ist es schon so gut wie gelernt.

 


8. ABLENKUNGEN AUSSCHALTEN

 

Egal, ob du Bib-Lerner oder Home-Büffler bist, wir werden ständig von Dingen „abgelenkt“ und sind dann wütend und unkonzentriert. In der Bibliothek sind es die typischen „Tipper“, „Huster“ oder einfach nur Labertaschen, zuhause vielleicht die Nachbarn, der unaufgeräumte Schrank oder das Smartphone.

 

Hierbei habe ich auch einen Tipp für dich: Konzentrationsmusik! Ich finde es funktioniert wirklich super, nach spätestens 5 Minuten bin ich voll konzentriert und blende meine Umgebung vollkommen aus. Ich habe dir hier mal meinen Lieblingstrack verlinkt.

 

9. LERNE "NEIN" ZU SAGEN

 

Du hast deinen Tag zufrieden geplant und bist gerade dabei anzufangen, da ruft dich dein Chef an und bittet dich heute kurzfristig an Bar für eine erkrankte Kollegin einzuspringen? Deine Freundin will dich unbedingt auf eine Party mitnehmen, du wolltest deinen Abend aber lieber mit Netflix auf der Couch verbringen, denn am nächsten Morgen wolltest du ausgeschlafen durchstarten? Solche Momente sind keine Seltenheit und ich tat mir früher auch immer schwer, "nein" zu sagen, weil es mir unangenehm war diese Menschen zu enttäuschen. Wen ich aber im Endeffekt enttäuschte, das war ich selbst, denn es wurde etwas von mir verlangt, was ich eigentlich nicht tun wollte und es lenkte mich von den wirklich wichtigen Dingen ab. "Nein" zu sagen, heißt deine Grenzen zu kennen und es wird dir mehr Energie, Freiheit und vor allem Zeit geben DEINE Ziele zu erreichen. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 8
  • #1

    Eine Leserin (Dienstag, 10 April 2018 22:14)

    Ein wirklich toller Post! Stehe kurz vor dem Abi und obwohl ich schon ewig suche, ist mit noch kein so guter Post wie dieser begegnet! Vielen Dank für die Tipps^^

  • #2

    Angelina von byangelina.com (Mittwoch, 11 April 2018 10:32)

    Liebe Leserin,

    vielen lieben Dank für dein Feedback! Wünsche dir ganz viel Erfolg für dein Abitur!

    Alles Liebe,

    Angelina

  • #3

    Anita (Sonntag, 15 April 2018 14:50)

    Bor!
    Das sind voll gute Tipps, danke!
    Ich habe in 2 Tagen eine Mathe Arbeit und das sind so gute Tipps, dass ich sogar Lust habe zu lernen ���

  • #4

    Johanna (Freitag, 15 Juni 2018 08:26)

    Echt ein toller Post! Habe es jetzt mehrfach so versucht und komme super damit klar! :)
    Vielen Dank! :))

  • #5

    Angelina von byangelina.com (Samstag, 16 Juni 2018 20:37)

    Danke Anita und Johanna für eure tollen Feedbacks, freut mich total, dass es euch hilft �

  • #6

    Lia (Dienstag, 10 Juli 2018 12:50)

    Dein Artikel hat mir wirklich geholfen und mich motiviert. Ich habe momentan auch einen Schnitt von 2,8 und vielleicht schaffe ich ja auch die 1,4..

  • #7

    Nico (Dienstag, 10 Juli 2018 21:25)

    Dein Artikel ist einfach toll . Ich mach die Ausbildung zum Krankenpfleger und man hat wirklich das Gefühl , das egal wie viel man lernt es immer zu wenig ist . Aber mit dieses Typs hat sich das geändert . Danke :)

  • #8

    Belli (Donnerstag, 09 August 2018 16:41)

    Danke! Ich habe nächstes Jahr meine Abiturprüfung und war auf der Suche nach guten Tipps. Endlich habe ich welche gefunden. Vielen, vielen Dank. <3 Liebe Grüße Belli


Du willst keinen Blogpost mehr verpassen? Melde dich für meinen Newsletter an!

* indicates required