Mündliche Prüfungen erfolgreich Meistern

08.07.2018

 

Mündliche Prüfungen. Für viele der wahrgewordene Alptraum. Auch für mich waren mündliche Prüfungen in der Schule und im Studium das Horrorszenarium schlechthin, da ich große Angst hatte, die Fragen des Prüfers nicht beantworten zu können, auch wenn ich wusste, dass ich den Stoff eigentlich beherrschte. Aber wer kann schon alles wissen?

 

Das Gute an der Sache ist: Das musst du auch garnicht. Ich zeige dir heute meine Tipps und Tricks wie es mir leichter fiel die mündlichen Prüfungen zu meistern und wie ich es sogar zu einer Eins im Staatsexamen gebracht habe.

 

Clevere Vorbereitung

 

Der Vorteil an mündlichen Prüfungen ist, dass man sehr gut und durchdacht auf Lücke lernen kann. Denn anders als bei schriftlichen Prüfungen geht es bei mündlichen Prüfungen nicht unbedingt um Wissen, sondern besonders um die Präsentation des Gelernten und geschickte Umgehung von Themen, die man nicht gut beherrscht.

 

Natürlich ist dazu eine wunderbare Rhetorik und ein charismatisches Auftreten unglaublich hilfreich, jedoch funktioniert das auch, wenn man wie ich nicht die beste Rednerin ist. Hierzu gehört nämlich einfach nur eine clevere Vorbereitung:

 

Anstatt von A bis Z lernen zu wollen und niemals bei G anzukommen, ist es sinnvoll zunächst seine Prüfer zu studieren. Und das geht am besten anhand von Altprotokollen.

 

Ob es nun nur fachspezifische oder sogar prüferspezifische Altprotokolle sind, es ist absolut intelligent diese auf alle Fälle zu nutzen! Du bekommst dadurch sofort einen Einblick welche Themen sich häufen und welche bisher vielleicht garnicht abgefragt wurden.

 

Zusätzlich gibt es häufig Kommentare zu der Frageweise und Art des Prüfers. Es gibt nämlich unterschiedliche Prüfer-Typen, die auch eine unterschiedliche Vorbereitung nach sich ziehen:

 

- Der Am-Boden-gebliebene-Typ: Herzlichen Glückwunsch, du hast das große Los gezogen. Diese Prüfer stellen immer die gleichen Fragen und wollen vor allem, dass man den Stoff verstanden hat (was ja eigentlich auch Sinn der Prüfung ist).

Sie fragen vor allem die Basis und Zusammenhänge ab und verzichten auf Spezialfragen. (Und wenn sie sie doch stellen, dann nur zur Differenzierung der Note 1 und 2). Hierbei lohnt es sich auf alle Fälle mit Altprotokollen zu lernen!

 

- Der Unberechenbare-Typ: Kann theoretisch alles fragen. Hat keine bevorzugten Themen, fragt aber deshalb meist nur oberflächlich. Hier lohnt es sich, erstmal über alles einen groben Überblick zu haben und zu jedem Thema ein paar Worte sagen zu können und wenn Zeit bleibt, weiter in die Tiefe zu lernen.

 

- Der Schläfer-Typ: Hat eigentlich überhaupt keine Lust auf die Prüfung. Frägt meistens immer das Gleiche. Wacht auf, wenn man ihn auf ein interessantes Thema (Beispielsweise sein Forschungsthema) anspricht. Vorsicht jedoch bei solchen Themen, denn eventuell schlägt man hierbei vielleicht eine Eins durch Sympathiepunkte raus, aber in Punkto Wissen kann man bei speziellen Forschungsthemen nur verlieren.

 

- Der „Ich-muss-jetzt-unbedingt-schlaue-Fragen-stellen“-Typ: Meist ziemlich jung. Muss sich noch vor den anderen Prüfern und den Studenten profilieren und stellt deshalb extrem spezielle Fragen, die niemand beantworten kann. Wenn dir so etwas in Staatsexamen passiert, hast du aber meistens das Glück, dass die anderen Mitprüfer die Fragen ebenso als „extrem speziell“ einstufen und du dadurch nicht durchfällst. Das Beste ist, sich schon von vornerein darauf einzustellen, dass man die meisten Fragen nicht beantworten kann. Man sollte sich aber klar machen, was man eigentlich alles kann, sich auf genau das zu konzentrieren und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Manchmal kann es auch helfen, sich die Forschungsthemen und Publikationen des Prüfers anzusehen.

 

Es gibt keine Altprotokolle zu deinem Prüfer? Wenn der Prüfer schon länger an deiner Universität ist, frag einfach bei älteren Jahrgängen nach, ob es jemanden gibt, der dir was zu der Prüfung erzählen kann. Eventuell hält er Seminare oder Vorlesungen ab, deren Skripte du dir besorgen kannst.

 

Zögere auch nie, die Prüfer direkt anzuschreiben und nach Skripten zu fragen. Bisher habe ich IMMER positives Feedback erhalten und bereitwillig Skripte zugeschickt bekommen. Ansonsten bieten viele neue Prüfer ein Vorgespräch an, in welchem sie (wenn sie nett sind) dir schon einmal Hinweise für die Prüfung geben.

 

Was tun, wenn keiner weiterhelfen kann? Einen Überblick über die Themen zu bekommen und sich vor allem auf Zusammenhänge zu konzentrieren, ist niemals falsch. Wenn wie bei Staatsexamen gleichzeitig andere Fächer abgefragt werden, versuche vor allem in anderen Fächern zu glänzen, um zur Not eine schlechte Leistung ausgleichen zu können.

 

Übung macht den Meister: Situation Simulieren

 

Ob alleine vor dem Spiegel, vor der Kamera oder vor anderen Leuten: Besonders das Reden in Stresssituationen ist eine Sache, die nicht unbedingt auf Talent beruht, sondern vor allem durch das regelmäßige Reden selbst immer besser wird.

 

Nutze jede Situation, jede Referatmöglichkeit, jede kleinere Rede, um deine Rhetorik zu verbessern. Das müssen keine 45-minütigen Vorträge sein, 10-15 Minuten pro Tag zu üben ist schon eine große Leistung!

 

Wenn du generell Schwierigkeiten hast zu reden und es nicht nur das das Prüfungsthema betrifft, hast du auch eine weitere Möglichkeit: Übe jeden Tag 2 Minuten ohne Pause durchzureden.

 

Suche dir ein Thema aus, zunächst eines, bei dem du dir sicher bist und rede einfach vor dem Spiegel drauf los und wenn du sogar kannst, nimm es auf!

 

Ich weiß, dass es unglaublich verunsichernd und ungewohnt ist, seine eigene Stimme zu hören. Dadurch bemerkt man aber auch Details am Redefluss und an der Melodie der Stimme, die man dann aktiv verändern kann, damit man ruhig, strukturiert, ohne Floskeln und „ehms“ redet.

 

 

Die Superman-Pose

 

 

Du fühlst dich trotz aller Vorbereitung nicht selbstbewusst genug? Dann probier‘ mal die Superman-Pose aus. Ohne Witz. Einige Studien* haben ergeben, dass schon 5 Minuten in dieser Pose vor einer schweren Aufgabe, einer Präsentation oder einem Bewerbungsgespräch nicht nur subjektiv das Selbstbewusstsein steigert, sondern auch objektiv deine Leistung verbessert.

 

 

*https://dash.harvard.edu/bitstream/handle/1/9547823/13-027.pdf?sequence=1

 

 

 

Kleidung

 

Das Thema Kleidung ist so eine Sache zu dem die Meinungen auseinander gehen. Eine Freundin von mir, die in der Personalabteilung einer großen Firma arbeitet und häufig Bewerbungsgespräche führt, hat mir jedoch folgende Tipps gegeben:

 

Vor allem sollte die Kleidung bequem sein und man sollte sich in ihr wohlfühlen. Auffällige Farben, Schnitte und Muster können zwar einen Wiedererkennungswert haben, jedoch nicht immer einen Positiven.

 

Denn der Geschmack der Kleidung ist einfach ein rein subjektiver. Schlicht und ordentlich macht einen professionellen Eindruck, denn man bekommt als Prüfer das Gefühl, dass derjenige nicht durch Äußerlichkeiten sondern durch Köpfchen glänzen will.

 

Den Prüfer Begrüßen

 

Eigentlich ist das klar, jedoch beobachte ich immer wieder, wie sich so manche verschreckte Studenten einfach stumm hinsetzen und sich nicht mal zu einem einfachen „Hallo“ durchringen können.

 

Ja, du bist nun in dieser Situation, mach das angenehmste daraus! Lächle, halte dem Prüfer die Hand hin und begrüße ihn aufrichtig. Der erste Eindruck zählt!

 

Nervosität nicht Verbergen

 

Aufregung ist normal. Das wissen nicht nur du und ich, sondern besonders auch die Prüfer. Denn die sind es ja normalerweise, die vor einer größeren Gruppe Vorträge halten und sich bestimmt auch noch zu gut an ihre erste Prüfung und ihre damalige Aufregung erinnern.

 

Deswegen versteck deine Nervosität nicht, sie macht dich menschlich und sympathisch. Mach dir auch keinerlei Gedanken über etwaige Versprecher oder etwas seltsam formulierte Sätze. Der Prüfer wird dich entweder verstehen oder nochmal nachfragen.

 

Nachfragen

 

Und damit kommen wir zum nächsten Punkt: Habe niemals Angst nachzufragen, wenn du eine Frage nicht verstanden hast. Bitte den Prüfer freundlich darum, die Frage auf andere Weise zu formulieren.

 

Besonders, wenn es eine komplizierte Frage ist oder der Prüfer dich eiskalt mit dem falschen Thema erwischt hat, verschafft dir das „Könnten Sie das nochmal in anderen Worten wiederholen?“ kostbare Sekunden, in denen du dich kurz sammeln und über die Frage nachdenken kannst.

 

 

Wenn du etwas nicht weißt...

 

Dann gib es offen zu. Ja, ich weiß, häufig wird genau das Gegenteil empfohlen. Jedoch ist es während der Prüfung meistens so:

 

Du wirst eine vorgegebene Mindest- aber auch Höchstzeit geprüft und in der Regel nach einem Punktesystem bewertet. Redest du nun um einen Punkt herum, weil du einfach keine Ahnung hast, gehen dir damit wertvolle Zeit und damit vielleicht auch Punkte verloren. Wenn der Prüfer fair ist, schwenkt er noch auf ein anderes Thema, damit du so Punkte sammeln kannst.

 

Natürlich kann man auch „weiß ich nicht“ oder „keine Ahnung“ nett umschreiben mit „Fällt mir im Moment nicht ein“ oder „Ich komme gerade nicht darauf“.

 

Laut Denken

 

 

Wenn der Prüfer dann jedoch nicht auf ein anderes Thema schwenkt, sondern auf dem Thema beharrt, gibt es eine andere Möglichkeit sein „Nicht-Wissen“ zu „umspielen“ und vielleicht doch auf eine Lösung zu kommen. Nämlich laut zu denken.

 

Wiederhole ruhig die Frage des Prüfers und gehe auf die Schlüsselbegriffe ein. Was fällt dir dazu ein? Meistens hat man ja von allem schon mal grob etwas gehört. Fang damit an, wobei du dir sicher bist und gehe dann Schritt für Schritt laut durch, was du weißt. Auch wenn es sich zu Anfang dumm anhört, aber so kann der Prüfer deinen Gedankengang nachvollziehen und dir an den Punkten weiterhelfen, an denen es bei dir hapert.

 

Das laute Denken kann auch unglaublich bei komplexen Fragen helfen, die man nicht gleich mit „ja, weil“ oder „nein, denn“ beantworten kann, sondern einer ausführlichen Schilderung bedürfen.

 

Übrigens: Wenn dein Prüfer anfängt zu reden, unterbrich ihn niemals! Viele machen das netterweise, wenn sie mit der Fragerunde schon durch sind, aber die Mindestzeit der Prüfung noch nicht vorbei ist.

 

Also, worauf wartest du?


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