Natürlich und Effektiv vor Erkältungen schützen

08.10.2017

 

Die berühmtberüchtigte Erkältungszeit hat begonnen. In den Arztpraxen sieht man schon die ersten roten Nasen, in der Arbeit flattern die ersten Krankmeldungen rein und man selbst hofft, dass man nicht der Nächste ist.

 

Ich wollte den Artikel eigentlich gleich mit dem ersten Tipp beginnen, da ich dann aber im Laufe des Schreibens gemerkt habe, dass es auch wichtig ist zu wissen, wie man sich eine Erkältung überhaupt einfängt, damit man sich davor schützen und sie erfolgreich besiegen kann, kommt jetzt erst eine Einführung in die Entstehungsgeschichte der Erkältung.

 

Erkältung wird von den verschiedensten Viren ausgelöst, welche überall auf der Welt und auch zu jeder Jahreszeit vorkommen. Da es in der Medizin den Begriff der "Erkältung" nicht gibt, wird sie "grippaler Infekt" genannt, im Gegensatz zur „echten“ Grippe, die durch sogenannte Influenza-Viren ausgelöst wird.

 

Wie entsteht nun eine Erkältung?

 

Diese Viren gibt es wie schon gesagt überall auf der Welt das ganze Jahr über. Sie fühlen sich besonders wohl an kühlen Orten, wo möglichst viele Menschen aufeinander treffen. Es gibt Rhinoviren, Enteroviren, Adenoviren, Coxsackieviren uuuuuuund sooo weiter - was ich euch damit klar machen will: Eine Erkältung kann durch über 100 verschiedene Viren verursacht werden und somit kann es schon mal vorkommen, dass man mehrmals im Jahr krank wird und sich wundert, warum man nach 3 Wochen schon wieder an einer Erkältung leidet.

 

Diese Biester greifen auch immer die gleichen Zellen an, ich nenne sie hier mal vereinfacht Luftwege-Zellen, denn sie kleiden unsere Nase und Nasenhöhlen von innen aus, aber auch unsere Luftröhre und Teile von unseren Bronchien, die alle zusammen unsere Luftwege bilden.

 

Diese Luftwegezellen bestehen im Grunde genommen aus zwei verschiedenen Zellarten.

Das sind einmal die sogenannten Becher-Zellen die so heißen, weil sie unter dem Mikroskop (eventuell für den kreativen Entdecker) so aussehen wie Becher und Schleim produzieren. Hört sich eklig an? Wenn ihr euch mal mit eurem Finger in die Nase fasst und gesund seid, dann könnt ihr auf eurer Fingerspitze einen ganz feinen wässrigen Film sehen und genauso müsst ihr euch das auch in euren gesamten Luftwege vorstellen.

 

Dieser Schleim ist dazu da, die Luft, bis sie zu den Lungenbläschen gelangt, welche den Sauerstoff dann letztendlich aufnehmen, vollkommen perfekt anzufeuchten und auf 37°C aufzuheizen, denn so kann der Sauerstoff viel besser resorbiert werden.

 

Neben diesen Zellen gibt es aber noch andere Zellen und diese werden Flimmerzellen genannt. Warum? Sie tragen an ihrer Oberfläche ganz feine Härchen und in den schlecht auflösenden Mikroskopen von damals sah ihre Bewegung wie ein Flimmern aus. Natürlich weiß man es heute besser, der Name ist aber trotzdem geblieben.

 

Diese Härchen bewegen sich aktiv in einer wellenartigen Bewegung Richtung Mund. Denn der ganze Schmutz, der mit der Luft in die Luftwege gelangt, wie zum Beispiel Abgase, Zigarettenqualm, Keime aber auch normaler Staub, darf am besten garnicht in die wertvollen zarten Lungenbläschen gelangen, denn sonst könnten diese gereizt werden.

 

Die Folge sind Entzündungen, Narben und am Ende der Untergang der Bläschen, sodass durch sie kein lebenswichtiger Sauerstoff in den Körper gelangen kann.

 

 

Damit das erst garnicht passiert, transportieren die kleinen Härchen Tag und Nacht den Schmutz nach draußen. Das merkt man auch manchmal, indem man plötzlich niesen oder husten muss, aber auch indem man fast unmerklich schluckt, denn so gelangt der Müll in den Magen, der mit seiner Säure überhaupt kein Problem damit hat, diesen zu zersetzen.

 

Die genannten Mechanismen sind unheimlich effektiv und da Viren auch ziemlich schlaue kleine Dinger sind, nutzen sie genau das aus, lösen bei uns den Nies- oder Hustenreiz aus und werden dann einige Meter weit in die Umgebung geschleudert, damit sie sich verbreiten können.

 

Jetzt wisst ihr was so alltäglich in euren Atemwegen abläuft. Was passiert aber, wenn jetzt ein solches Virus auf diesen Weg gelangt? Geschieht dies,  schaltet der Körper erstmal auf Alarmstufe gelb. Der feine Schleim wird dicker, damit sich die Viren darin verfangen und abtransportiert werden können. Ziel ist, die Viren auf keinen Fall zu den zarten Lungenbläschen durchzulassen.

 

Ein zufällig dort patroullierendes weißes Blutkörperchen (ein Teil unserer Armee, dem Immunsystem) trifft auf diesen Virus und alarmiert die weiteren Zellen. Diese können nur so schnell wie möglich kommen, wenn die Durchblutung stimmt, also wird diese durch Signalstoffe erhöht.

 

Resultat: Die Nase wird dick und rot, die Schleimhäute schwellen an, denn wo ein Virus ist, da gibt es auch noch viel mehr. Damit diese nicht auch noch durchkommen, macht die Nase dicht. Durch die Schwellung kommt es beispielsweise auch zu den typisch drückenden Kopfschmerzen.

 

Sind die anderen Zellen da, wird das Virus erstmal auseinander genommen und so gut es geht unschädlich gemacht. Wenn es in seine Einzelteile zerlegt ist, können ganz spezielle Lymphzellen sogenannte Antikörper dagegen bilden.

 

Das sind kleine Teilchen, die sich an die Viren, die noch kommen, binden können und sie sofort unschädlich machen. Je nach Virus bleiben diese Antikörper für die nächste Zeit im Körper und sorgen für eine schnellere Elimination beim nächsten Mal, damit die Luftwege wieder ihrem ganz normalen Alltag nachgehen können.

 

Denn Viren sind zwar nervig für den Körper, viel schlimmer ist es jedoch, wenn der Körper gerade damit beschäftigt ist, diese zu entfernen und ein Bakterium seinen Weg in die Lunge findet.

 

Bakterien haben den Viren einiges voraus: Sie sind zum einen viel größer und haben eine dicke Zellwand, die sie wie ein Panzer schützt. Zum anderen können sie sich unabhängig von uns teilen und ernähren, was sie auch nicht so leicht angreifbar macht.

 

Manche Bakterien produzieren noch dazu giftige Stoffe, welche unserem Körper zusätzlich schaden. Folge sind in diesem Szenario zum Beispiel eine eitrige Nasennebenhöhlenentzündung, schwere Lungenentzündungen und hohes, anhaltendes Fieber.

 

Damit es nun erst garnicht so weit kommt, hier die 9 Tipps, wie man sich effektiv und natürlich vor einer Erkältung schützt 😊

 

 

1. Ausreichend warm anziehen

 

„Zieh dich an, Kind, sonst wirst du krank“. Kommt euch bekannt vor? Wahrscheinlich einer der meist wiederholten Sätze einer Mutter. Warum wird man eigentlich krank, wenn man friert?

 

Wenn es uns zu kalt wird, ziehen sich unsere Blutgefäße zusammen, sodass unsere Immunzellen langsamer oder garnicht durch den gesamten Körper kreisen können und so auch nur schleppend zu den Viren gelangen, die sich es bis dahin schon bequem gemacht haben.

 

Die meiste Wärme geben wir übrigens über unseren Kopf ab, also Mütze auf! Auch bei Fahrtwind, wie beim Fahrradfahren kann ein Schal vor Nase und Mund sehr vom Nutzen sein, um etwas ausgeatmete Wärme wieder einzuatmen.

 

 

2. Den Kreislauf in Schwung bringen

 

Ob Herbstspaziergang, Wechselduschen oder Sport, alles ist erlaubt, was den Puls etwas höher schlagen lässt. Die Durchblutung wird angeregt, wodurch die Immunzellen wieder schneller durch den Körper kreisen und Krankheitserreger eliminieren können.

Achtung jedoch vor zu starker Überbelastung. Dadurch kann der Körper geschwächt werden, was wiederrum das Risiko erhöht krank zu werden.

 

 

3. Ausreichend trinken

 

Kann man wahrscheinlich in den noch so unterschiedlichsten Artikeln irgendwo als Punkt erwähnen und es würde Sinn machen. Wir scheiden ungefähr 2,5 Liter Flüssigkeit pro Tag über unsere Haut, Atmung, unseren Urin und Stuhl aus. Deshalb ist es auch wichtig, dem Körper diese Menge wieder zurückzugeben, denn unser Körper und unser Blut bestehen eben größtenteils aus Wasser.

 

Flüssigkeit führt also dazu, dass wir unseren Kreislauf ankurbeln, noch dazu unterstützt es die Becherzellen bei der Schleimproduktion, welches eines der effektivsten und schnellsten Abwehrmechanismen ist. Am besten sind natürlich Wasser und ungesüßte Tees, jedoch, - ein Aufatmen für alle Kaffee-abhängigen - , Kaffee zählt man heute auch zu den möglichen Getränken.

 

Es müssen übrigens nicht wie weit verbreitet die 3 Liter Flüssigkeit pro Tag sein. Je nach Essgewohnheiten nimmt man auch über die Nahrung circa einen Liter pro Tag auf.

 

 

4. Heizung

 

Dieser Punkt hängt eigentlich unmittelbar mit Punkt 3 zusammen, ich finde ihn trotzdem so wichtig, dass ich ihn als eigenständigen Punkt genommen habe. Durch die trockene Heizungsluft nämlich werden unsere Schleimhäute ausgetrocknet.

 

Noch dazu neigen wir im Winter dazu, weniger zu lüften, wodurch sich aber Bakterien und auch Pilze leichter vermehren können. Natürlich möchte ich niemanden dazu raten, die Heizung abzuschalten und in der Kälte zu sitzen, eine mögliche Lösung habe ich aber trotzdem für euch parat:

 

Es gibt sehr gute Nasensprays in der Drogerie und auch in der Apotheke, die isotonisches Meersalzwasser enthalten und auch noch pflegende Stoffe wie zum Beispiel Panthenol, die die Nase längere Zeit feucht halten können und sie so schützen. (Bitte aber nicht verwechseln mit den abschwellenden Nasensprays!!)

 

 

5. Schlafen

 

Mein Lieblingspunkt und auch einer der Wichtigsten. Im Schlaf schaltet unser Körper in den Standby-Modus runter, er regeneriert sich, denn bei ausreichend langem und regelmäßigem Schlaf wird ein Hormon freigesetzt, was die Reparaturprozesse in unserem Körper in Gang setzt und aufrecht erhält. Wie viel Schlaf für jeden ausreichend ist, ist sehr individuell. Dazu gibt es keine Regeln.

 

 

6. Stressreduktion

 

Wohl für die Meisten am schwersten umzusetzen. Doch was passiert bei Stress? Hat man mal kurzzeitig, also eine Stunde oder sogar einen Tag lang Stress, weil man zum Beispiel eine Rede halten muss, Angst hat oder sich ärgert, dann führt das sogar zu einer überschießenden Immunreaktion, denn der Körper macht sich auf einen Angriff gefasst, dessen Folgen er später schnell beseitigen muss.

 

Heutzutage ist dieser akute Stress natürlich seltenst körperlich, die Reaktion ist jedoch dieselbe - Sie dient dem Überleben. Wird dieser Stress aber chronisch, weil zum Beispiel die Arbeitsbelastung zu hoch ist, ein nahestehender Mensch gestorben ist oder man beispielsweise auch arbeitslos wird, wird das Hormon Cortisol ausgeschüttet.

 

Es hat jeeede Menge Wirkungen auf unserem Körper. Eigentlich ist es dazu da bei Stress unsere Energiereserven zu mobilisieren, jedoch wird dadurch auch unser Immunsystem runtergefahren. Die Folge ist dann, dass wir schneller krank werden, und auch noch langsamer gesund.

 

 

7. Abwechslungsreiche Ernährung

 

Nein, ich plädiere ganz sicher nicht dafür, auf „Ungesundes“ & Co. ganz zu verzichten, weil ich das einfach für keine sinnvolle Lösung halte. Man muss auch nicht 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag essen, damit man gesund bleibt.

 

Viel wichtiger ist es auf seinen Körper hören zu können, was uns leider durch all die Geschmacksverstärker etc. immer schwerer fällt.

 

Fakt ist: Frisch und unverarbeitet enthält viel mehr Nährstoffe und Spurenelemente als verarbeitete Fertigprodukte. Und diese können wir am besten aufnehmen, wenn wir in Ruhe essen können. Also Zeit nehmen!

 

 

8. Zink, Echinacea & Co

 

Manche schwören darauf, manche nehmen es mal zur Sicherheit, denn es kann ja eigentlich nichts kaputt machen …. Let me tell you something: Nicht nur sind Nahrungsergänzungsmittel bei „normaler“ Ernährung vollkommen unnötig, sie können den Körper auch schädigen.

 

Das Problem an diesen Tabletten, Kapseln etc. ist nämlich, dass sie nicht als Arzneimittel gelten und daher auch keine Zulassung erhalten müssen. Das heißt, dass diese Tabletten nicht vorher wie andere Arznei erstmal die Standardtests durchlaufen und durch wirkliche (!) Studien getestet wird, ob sie harmlos sind und wie sich die Dauereinnahme auswirkt.

 

Zink zum Beispiel ist ein wichtiger Stoff unseres Immunsystems, jedoch bekommen wir in unseren Breitengraden zur Zeit ausreichend Zink über unsere Nahrung und noch dazu muss sich der Körper entscheiden, ob er Zink ODER Eisen aufnehmen will, denn er hat nur einen Transporter für eins von beiden.

 

Eisenmangel ist jedoch WELTWEIT die häufigste Mangelerkrankung, Resultat des erhöhten Zinkkonsums könnte also ein induzierter Eisenmangel sein, der dann wiederrum zu Müdigkeit und Infektanfälligkeit führt.

Bislang gibt es auch keine eindeutige Studienlage zu Zink, eventuelle Effekte wurden immer wieder widerlegt.

 

 

9. Impfen

 

Es gibt leider keine Impfung gegen Erkältungen, denn wie gesagt, wird diese durch verschiedenste Viren ausgelöst und auch diese mutieren, das heißt, sie verändern ihr Erbgut häufig, sodass sie dem Impfstoff wieder entfliehen würden. Genauso verhält es sich bei der klassischen Grippe- oder auch Influenza-Impfung.

 

Das Influenzavirus ist auch sehr mutations- und fusionswillig, was es schwer macht eine Vorhersage zu treffen, welches von den über 1000 Möglichkeiten diesen Winter die Hauptprobleme machen wird. Trotzdem sind die Prognosen bisher ziemlich zuverlässig. Das Robert-Koch-Institut gibt jedes Jahr neue Impfempfehlungen heraus, ich habe euch auch deren Seite hier verlinkt, dort beantwortet das RKI die häufigsten Fragen, wann und warum man sich impfen lassen sollte.

 

 

10. Das Beste kommt zum Schluss: Gute Laune!

 

Also einfach mal mehr lachen und lächeln :)

 

Bleibt gesund,

 

Angelina

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Isabella (Freitag, 06 April 2018 11:36)

    Ich nochmal,
    Nun lese ich noch andere Artikel... sehr interssant und für jeden verständlich wie es zur einer Erkältung kommt. Ich bin überrascht das lymphzellen die Antikörper bilden (ich bin Physio). Ich muss mich mal intensiver mit der Materie beschäftigen :-)

    Isabella

  • #2

    Angelina von byangelina.com (Mittwoch, 11 April 2018 10:30)

    Liebe Isabella,

    vielen lieben Dank für dein positives Feedback, das freut mich sehr. Ja, tatsächlich werden die Antikörper von Plasmazellen produziert, das sind ausgereifte B-Lymphozyten :)

    Alles Liebe,

    Angelina


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