Allergien - Was Wirklich Hilft

15.04.2018

 

Allergien. Ein vieldiskutiertes Thema. Kein Wunder, denn Allergien sind immer mehr auf dem Vormarsch:

 

Waren 1990 noch 20 Prozent der Menschen von einer Allergie betroffen, sind es im Jahre 2000 schon 30% - Tendenz steigend.

 

In diesem Artikel erfährst du, was eine Allergie ist, wie du herausfindest, ob du allergisch bist und du eine Allergie bei dir und bei deinen Kindern vorbeugen und heilen kannst.

 

Die nachfolgenden Infos stammen aus neuen Studien und gesicherten Quellen. Ich habe sie dir am Ende des Artikels auch alle aufgeführt.

 

Außerdem eins vorab: Obwohl ich Ärztin bin, soll dir dieser Artikel den Arztbesuch keinesfalls ersetzen, sondern dazu dienen, mein medizinisches Wissen an dich weiterzugeben und hartnäckige Allergiemythen aufzudecken.

 

Eine Allergie ist eine überschießende/zu starke Reaktion unseres Immunsystems auf einen körperfremden* Stoff. Dieser Stoff (=Allergen) ist eigentlich harmlos, wird von unserem Körper aber fälschlicherweise als gefährlich erkannt.

 

*Richtet sich die Reaktion gegen unseren eigenen Körper, spricht man von einer Autoimmun-Reaktion.

 

Allergene können tatsächlich alles Mögliche sein, wie zum Beispiel Medikamente, Nahrungsmittel, Tierhaare, Insektengifte, Pollen, aber auch Duftstoffe, Nickel etc., um nur einmal die häufigsten zu nennen.

 

Eine Allergie kann sich jeder Zeit in unserem Leben entwickeln, das heißt man kann auch erst mit 60 Jahren an einer Pollenallergie erkranken. Ca. 75 Prozent der Allergiker bemerken jedoch schon vor dem 25. Lebensjahr erste Symptome.

 

Traurigerweise werden in Deutschland unglaubliche 90 Prozent der Allergiker entweder falsch oder überhaupt nicht behandelt!

 

Um eine Allergie zu beweisen, ist ein Besuch beim Facharzt für allergische Erkrankungen (ein sog. Allergologe) notwendig. Dieser kann dann mit einfachen Hauttests feststellen, ob man auf einen Stoff allergisch reagiert oder nicht.

 

Ja, leider kann sie das und wenn die Allergie nicht behandelt wird, ist es auch wahrscheinlich.

 

Wie zum Beispiel bei der Pollenallergie. Während sie im ersten Jahr vielleicht nur die Nase und die Augen betrifft, kann sie im nächsten Jahr auch die Atemwege belegen, man spricht dann vom Etagenwechsel.

 

Sind die Atemwege betroffen, kann es viel gefährlicher werden, weil es zu einem Asthma kommt und Asthmaanfälle tödlich (!) verlaufen können.

 

Und nicht nur das, die Allergie kann sich auch auf viele andere Stoffe ausweiten. Während man also im einen Jahr nur auf Birkenpollen allergisch reagiert, können im nächsten Jahr auch noch Gräser und andere Baumpollen dazukommen.

 

Fazit also: Allergie unbedingt vom Arzt behandeln lassen!

 

Ein Aufatmen für alle Allergiker. Die Antwort ist: Ja, mittlerweile ist das möglich und die Therapie wird sogar von den Krankenkassen bezahlt.

 

Die Behandlung nennt sich „Hyposensibilisierung“ oder auch „spezifische Immuntherapie“, oder auch gern mal „Allergie-Impfung“.

 

Hinter diesen Begriffen verbirgt sich ein geniales Prinzip, welches nicht nur die Symptome unterdrückt, wie das bei Medikamenten der Fall ist, sondern auch zur Heilung führt. Der Körper wird bei dieser Behandlung langsam an das Allergen gewöhnt, indem eine immer höhere Dosis des Stoffes gegeben wird.

 

Am klügsten ist es, nicht lange damit zu warten, die Behandlung zu beginnen, denn die besten Ergebnisse werden erwartet, wenn man die Allergie seit weniger als 5 Jahren hat und/oder unter 55 Jahre alt ist.

 

Dann sollte man sein Augenmerk darauf legen, die Allergie nicht weiter verschlimmern zu lassen und die Symptome zu unterdrücken.

 

Symptome unterdrücken kann man einmal durch -so banal es klingen mag – Allergenkarenz. Das bedeutet sich von den Stoffen, die die Allergie auslösen möglichst fern zu halten.

 

Leidest du zum Beispiel an einer Hausstauballergie, nutze hypoallergene Bettwäsche, in welcher sich Milben nicht verbreiten können und staube und lüfte regelmäßig.

 

Bezüglich der dazu nötigen Medikamente kann dich dein Arzt oder Apotheker am besten beraten.

 

Ein häufiger Aufenthalt in den Bergen und am Meer kann die Symptome einer Pollen- und Hausstauballergie kurzfristig (Wochen-Monate) lindern, ein langfristiger Effekt ist jedoch nicht belegt.

 

Auch eine Kur oder auch eine Reha kann bei vielen Erkrankungen, wie dem Asthma, der Neurodermitis und der Lebensmittelallergie sowohl für Kinder als auch für Erwachsene hilfreich sein.

 

Um eine Reha zu beantragen, sollte man sich zunächst an seinen Haus- oder auch Facharzt wenden, der mitentscheiden kann, ob eine Reha überhaupt sinnvoll wäre und sich ein Antrag lohnen würde.

 

Zu Akupunkturen gibt es ein paar Studien, die beweisen, dass die Akupunktur die Symptome verringern und sogar dazu führen kann, dass weniger Medikamente benötigt werden.

 

Studien bezüglich Akupunkturen sind aber leider immer sehr kritisch zu sehen, da bisher keine Placebo-kontrollierten Studien dazu durchgeführt werden können, was der wichtigste Stein in der deutschen Medizin ist, um eine Therapie zuzulassen.

 

Die Akupunktur gegen eine Allergie wird zur Zeit auch noch nicht von den Krankenkassen bezahlt.

 

Es ist im Übrigen auch möglich, dass im Alter die Symptome abnehmen oder sogar ganz verschwinden können (aber nicht müssen!).

 

Ich möchte vorerst eins sagen: Ich bin kein Gegner von Heilmethoden, die nicht zur klassischen Schulmedizin gehören. Solange etwas einem Patienten hilft, ist es mir vollkommen egal, was es ist. Ich bin glücklich, dass es meinem Patienten besser geht.

 

Die unten aufgeführten Punkte haben aber bei einer Allergie in glaubwürdigen Studien bisher noch keinen Effekt zeigen können, weshalb ich auch nicht empfehlen kann, Geld für diese Therapien zu investieren, zumal die Mittel nicht gerade günstig sind.

 

Eigenbluttherapie: Bisher konnte keine Studie belegen, dass eine Eigenbluttherapie bei einer Allergie die Symptome reduzieren kann.

 

Genauso mit Homöopathie: Alle Studien wiesen bisher keinen Effekt der homöopathischen Stoffe bei einer Allergie nach.

 

Ja, das sind sie tatsächlich. Sind Vater oder Mutter betroffen, liegt das Risiko einer Allergie für das Kind bei 20 Prozent. Ist ein Geschwisterkind betroffen, beträgt das Risiko circa 30 Prozent.

 

Haben beide, also Mutter und Vater eine Allergie, entwickeln deren Kinder mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent allergische Beschwerden. Sind die Eltern zudem von der gleichen Allergie betroffen, ist das Risiko mit 60 - 80 Prozent am höchsten.

 

Das Risiko für Menschen eine Allergie zu entwickeln, in denen es keine Allergien in der Familie gibt, liegt hingegen nur bei 5-15 Prozent.

 

Ja! Schon in der Schwangerschaft kann man Allergien vorbeugen, indem man sich möglichst ausgewogen ernährt und auf das Rauchen verzichtet. Denn wer während der Schwangerschaft raucht, der erhöht laut der langjährigen MAS-Allergiestudie das Risiko für sein Kind an Nahrungsmittel-allergien zu erkranken.

 

Auch das Rauchen nach der Geburt des Kindes sollte so gut wie möglich vermieden werden, denn: das Kind raucht immer mit. Und das kann zu Asthma führen, eine chronische Entzündung der Lungen.

 

Autoabgase: In München gab es eine 15-jährige wissenschaftliche Studie mit 3000 Kindern (LISAplus-Studie), die gezeigt hat, dass diejenigen Kinder, die an verkehrsreichen Straßen aufwuchsen, später häufiger unter Allergien litten.

 

Man kann die Autoabgase leider nicht wegzaubern, man kann sie jedoch vermeiden, zum Beispiel indem man nicht zu Verkehrsstoßzeiten lüftet, andere Wege als die stark befahrenen wählt, oder mit Kindern lieber zu Spielplätzen geht, die von stark befahrenen Straßen weiter weg liegen.

 

Ob Antibiotika das Allergierisiko erhöhen: Es gab tatsächlich eine Studie aus den Niederlanden, die ein erhöhtes Allergievorkommen bei Antibiotikagabe verzeichnet hat. Es sind jedoch weitere Studien nötig, um den eindeutigen Effekt zu belegen.

 

Es gibt aber auch positive Punkte: Das ausschließliche Stillen während der ersten 4-6 Lebensmonate verringert das Risiko für Allergien. Wenn das Stillen ausgeschlossen ist, gibt es auch die Möglichkeit einer hypoallergenen Ersatzmilch.

 

Danach sollte man auch das Kind möglichst vielseitig ernähren und nicht auf potenziell allergene Lebensmittel wie Erdnüsse oder Früchte verzichten, um den Körper mit Allem bekannt zu machen.

 

Thema Neurodermitis: Ca. 50 Prozent der Kinder leiden unter einer Neurodermitis: das ist eine Erkrankung, bei der die Haut auf viele Stoffe allergisch reagiert. Die Neurodermitis kann ein Vorbote für Allergien sein. Behandelt man diese aber konsequent und trägt immer Hautschutz auf, können Allergien dadurch sogar verhindert werden.

 

Haustiere: Zwei Studien aus München (GINI- und LISA) zeigen deutlich, dass Kinder, die zusammen mit Hunden wohnen, weniger Allergien entwickeln als andere Kinder. Der Grund scheint zu sein, dass das Immunsystem besonders im ersten Lebensjahr ganz speziell gegen Allergien trainiert wird, wenn die Kinder mit Hunden aufwachsen. Der regelmäßige Kontakt mit fremden Hunden reicht dafür aber sehr wahrscheinlich nicht aus.

 

Wohnen mit Katzen erhöht jedoch das Risiko für einen Hautausschlag, weshalb die Leitlinien empfehlen, bei Kindern, die ein hohes Risiko für Allergien haben, weil zum Beispiel schon ein großer Teil der Familie betroffen ist, besser keine Katze anzuschaffen.

 

Diese Hypothese beruht darauf, dass Allergien in den letzten Jahren unter den Stadtbewohnern vehement zugenommen haben.

 

Es konnte auch gezeigt werden, dass Kinder, die auf einem Bauernhof leben, viel seltener an Allergien, besonders an Asthma und Heuschnupfen leiden als andere Kinder, die nicht auf einem Bauernhof aufwachsen – auch wenn sie im selben Ort wohnen.

 

Hierbei scheinen die Gründe wohl besonders der Aufenthalt im Kuhstall und das Trinken roher Kuhmilch zu sein.

 

Zudem soll der Umgang von Kindern mit Schmutz und Keimen dazu beitragen, dass das Immunsystem voll aktiviert und damit normal entwickelt wird. Es wird also sozusagen so von Bakterien, Pilzen und Würmern in Anspruch genommen, dass es keine Zeit hat sich mit harmlosen Dingen (Allergenen) zu beschäftigen.

 

Impfungen: Immer wieder erscheinen auf fragwürdigen Internetseiten die Theorien, dass Impfungen Allergien auslösen können* und geimpfte Kinder häufiger an Allergien erkranken als Nicht-Geimpfte. Dafür gibt es keinerlei Beweise! Viel mehr sogar zeigen Studien, dass Impfungen das Risiko für Allergien sogar SENKEN können, weshalb auch die neuen Leitlinien zur Allergieprävention empfehlen auch Kinder mit einem hohen Risiko für Allergien mit den von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Schutzimpfungen zu impfen.

 

*Man kann jedoch auf einen Impfstoff allergisch reagieren

 


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