Fett - Gesund oder Gefährlich?

24.06.2018

 

Das Wort „Fett“ wird in unserer Gesellschaft häufig negativ bewertet. Wir assoziieren es mit ungesunden Dingen wie Butter, Chips oder Pommes, Gewichtszunahme und Krankheiten.

   

So einfach kann man Fett jedoch nicht als "schlecht" deklarieren.  Denn Fett ist in der richtigen Menge ein wichtiger Bestandteil unseres Körpers, ohne welches wir überhaupt nicht in der Lage wären zu überleben. Deswegen gibt es heute von mir einen kleinen spannenden Einblick in die gefährliche, aber auch gesunde Welt der Fette.

 

Bevor es aber mit dem spannenden Teil losgeht, muss ich einen kleinen Absatz Biochemie einbringen, damit du die unterschiedlichen Arten von Fett kennenlernst, denn das ist wichtig für das Verständnis. Sie besitzen nämlich alle komplett unterschiedliche Funktionen.

 

Arten von Fett

Man unterscheidet bei Fetten nicht einfach nur Fette und Öle. Die Unterteilung geht viel weiter. Zunächst kann man die Fette in drei große Gruppen aufspalten:

 

  • Die einfachen Fette: zu diesen gehören Fette wie Butter, Wachse und Öle
  • Die komplexen Fette: Dazu gehört beispielsweise das Lecithin)
  • Isoprenoide: zu dieser Gruppe gehören unter anderem die Vitamine A, D, E und K sowie das Cholesterin, aus welchem viele unserer Hormone hergestellt werden.
Quelle: https://viamedici.thieme.de/lernmodule/biochemie/lipide+%C3%BCberblick
Quelle: https://viamedici.thieme.de/lernmodule/biochemie/lipide+%C3%BCberblick

Die Fettsäuren

 

Ein einzelnes Fettmolekül kann man aufspalten in ein Grundgerüst (Glycerin oder auch Sphingosin) und in die Fettsäuren.

 

Fettsäuren sind Verbindungen zwischen Kohlen-, Sauer- und Wasserstoff. Die Kohlenstoffatome werden miteinander verknüpft und diese Bindung kann entweder einfach oder gedoppelt sein.

 

Wenn alle Bindungen der Fettsäure einfach sind, spricht man von einer gesättigten Fettsäure (dazu gehört zum Beispiel die Palmitinsäure des Kokosfettes (auch Palmöl genannt)). Diese kann unser Körper alle selbst herstellen.

 

Je mehr lange und gesättigte Fettsäuren ein Fett enthält, desto fester ist es bei Raumtemperatur. Dazu gehören die meisten tierischen Fette, aber zum Beispiel auch das Kokosöl oder die Sheabutter.

 

Wenn irgendwo in der Fettsäure eine Doppelbindung vorkommt, dann spricht man von einer ungesättigten Fettsäure. Je mehr ungesättigte Fettsäuren dabei sind, desto mehr wird aus einem festen Fett ein flüssiges Öl.

 

Quelle: https://smartfoodme.com/gesaettigten-fettsaeuren-harmlos/ (Anmerkung: Die Abbildung ist nicht korrekt dargestellt, dient aber der Veranschaulichung)
Quelle: https://smartfoodme.com/gesaettigten-fettsaeuren-harmlos/ (Anmerkung: Die Abbildung ist nicht korrekt dargestellt, dient aber der Veranschaulichung)

 

Man unterscheidet hier in nicht essentielle und essentielle Fettsäuren.

 

Die Essentiellen werden auch Omega-Fettsäuren genannt. Sie haben eine Besonderheit: Unser Körper kann sie nicht selbst herstellen, also müssen wir sie zu uns nehmen.

 

Diese Omega-Fettsäuren erfüllen viele wichtige und komplexe Funktionen in unserem Körper. Sind die Omega 3- und Omega-6-Fettsäuren im Gleichgewicht, kann unser Körper Entzündungsprozesse besser im Griff halten.

 

 Leider ist es jedoch so, dass wir häufig zu wenig Omega-3-Fettsäuren zu uns nehmen, wodurch im schlimmsten Fall Entzündungen nicht mehr so gut im Zaum gehalten werden können.

 

Früher hat man auch angenommen, dass ein Überschuss an Omega-3-Fettsäuren das Risiko für Herzkrankheiten erniedrigt. Besser angelegte Studien konnten dies jedoch bisher noch nicht bestätigen.

 

 

Lebensmittel, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind:
Leinöl, Chiaöl, Walnüsse, Lachs, Sardellen
Lebensmittel, die reich an Omega-6-Fettsäuren sind:  Traubenkernöl, Distelöl, Sojaöl, Fleisch

Trans-Fettsäuren

 

Trans-Fettsäuren sind besondere ungesättigte Fettsäuren. Die Verzweigungen, die die ungesättigten Fettsäuren haben, sind leider nicht sonderlich stabil. Durch Erhitzung von solchen Ölen oder durch Raffination (wie bei der Herstellung von Margarine) können diese Fettsäuren an diesen Verzweigungen „einknicken“.

 

Anstatt gesunder Fette entstehen so gefährliche Fettsäuren. Sie können nämlich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einen Herzinfarkt erhöhen, da sie die Ablagerung von Cholesterin in den Gefäßen begünstigen.

 

Auch beim Wiederkäuen, wie es bei zum Beispiel bei Kühen geschieht, entstehen trans-Fettsäuren. Milchfett hat deshalb natürlicherweise einen hohen trans-Fettsäuren-Gehalt.

 

Und nun zu der Funktion der Fette in unserem Körper:

 

Die einfachen Fette

 

 

Die einfachen Fette dienen dem Körper als Energiespeicher. Sie sind wasserfrei und können damit Platz sparend gelagert werden. Das findet vorallem subkutan, also direkt unterhalb der Haut statt.

 

Zusätzlich zu der Funktion des Energiespeichers, dienen Fette auch als Baufett. Diese Baufette halten unter anderem die Nieren in ihrer Position im oberen hinteren Bauch und verhindern, dass diese lose im unteren Bauch liegen.

 

Deswegen braucht unser Körper auch einen gewissen Körperfettanteil. Gibt es diesen nicht, wie zum Beispiel bei einer Magersucht, aber auch bei schlanken Menschen, können die Nieren nicht mehr in ihrer Position gehalten werden und beginnen in den Unterbauch „zu wandern“. 

 

Besonders beim Stehen, also bei Zug auf die Nieren, kommt es dann zu Schmerzen in den Flanken, die sich durch Liegen wieder bessern.

 

Hierbei kursiert ein Mythos, der absolut falsch ist: Anders, als ich es schon auf ein paar Fitness-Websites gelesen habe, ist dieses Fett nicht das Gefährliche, denn es dient ja als Baufett. Man muss davon aber die Organverfettung abgrenzen, die häufig bei Übergewicht auftritt.

 

Gefährlich ist aber, wenn sich das Hautfett vor allem um den Bauch herum ablagert, wie das bei Männern häufig der Fall ist. 

 

Insbesondere dieses Fett kann – aus bisher nicht geklärten Gründen – Botenstoffe freisetzen, die chronische Entzündungen hervorrufen und damit das Risiko für Herzkrankheiten erhöhen können.

 

Ob sich das Fett übrigens eher am Bauch oder an den Hüften anlegt, ist vor allem genetisch bedingt.

 

Lässt man sich an diesen Stellen Fett absaugen, ist das Übel damit leider nicht, wie oft angenommen, behoben.

 

Eine Studie* aus Colorado hat am Menschen gezeigt, dass das zuvor entfernte Fettgewebe schon innerhalb eines Jahres wieder an anderen Stellen des Körpers auftaucht - und nicht nur das: Nach Fettabsaugung zeigte sich in manchen Fällen sogar eine höhere Gesamtkörperfettmenge als vor dem Eingriff.

 

 

*Link:http://www.indiamedicaltimes.com/2011/05/04/liposuction-fat-comes-back-within-a-year-though-not-in-the-same-place/

 

Wie kann man das unliebsame Fett dann loswerden? Hierbei gibt es einen neuen Trend: die Ketodiät

 

 

Die Keto-Diät

 Bei der sogenannten Keto-Diät wird so gut wie möglich auf Kohlenhydrate verzichtet, denn die Theorie ist, dass  Fett in unserem Körper dann abgebaut wird, wenn im Blut ein Kohlenhydratmangel vorherrscht. Dann werden aus den freien Fettsäuren sogenannte Ketonkörper produziert. 

 

Das passiert entweder beim Fasten, bei Insulinmangel (bei Menschen mit Zuckerkrankheit, hierbei liegen viele Kohlenhydrate im Blut vor, können aber durch das fehlende Insulin nicht in die Zellen aufgenommen werden) oder eben bei einer no-carb-(=Keto)-Diät.

 

 Das Problem ist, dass die Fettsäuren von allen Geweben als „Energiequelle“ genutzt werden können, außer von unseren roten Blutkörperchen und unserem Nervensystem.

 

 Unser Nervensystem befindet sich also zu diesem Zeitpunkt in einer gefährlichen Stoffwechsellage und reagiert auch entsprechend: 

 

Da diese Ketonkörper sauer sind und unseren Körper ansäuern, versucht unser Körper vertieft zu atmen (Kußmaul-Atmung, benannt nach Adolf Kußmaul – dem Arzt ist 1874 diese Art der Atmung erstmals bei Patienten aufgefallen; die Benennung hat nichts mit einer Mundstellung zu tun), um die Säuren so ausscheiden zu können.

 

 Schlimmere Komplikationen sind stärkste Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und zuletzt ein sogenanntes ketoazidotisches Koma mit Bewusstseinsverlust. 

 

Diese Komplikationen treten sehr selten bei einer Diät oder einem Fasten ein, da unser Körper meistens so gesund ist, dass er dies alleine automatisch ausgleichen kann, ohne dass wir es merken.

 

 Bei Diabetikern kann jedoch die fehlende Insulinspritze schlimme Folgen haben.

 

Ob Keto-Diät oder nicht. Fakt ist, dass unser Körper dann unsere Energiereserven nutzt, wenn wir weniger Kalorien zu uns nehmen, als wir am Tag verbrauchen. 

 

Die gesündeste Methode ist zum jetzigen Stand der Forschung immernoch eine dauerhafte Ernährungsumstellung sowie regelmäßige Bewegung. Aber nun zurück zu den Fetten:

 

 

Die komplexen Fette

 

Die komplexen Fette bauen vor allem unsere Zellmembranen und umgeben unsere Nerven mit einer wichtigen Myelin-Schicht. 

 

Man muss sich diese Myelin-Schicht wie eine Gummiabdichtung von elektrischen Leitungen vorstellen. Sie isolieren die Nerven und schützen sie gleichzeitig vor äußeren Einflüssen. 

 

Es ist übrigens so, dass sich unsere Nervenzellen NICHT regenerieren können, wohl aber die Myelin-Schicht.

 

Die Isoprenoide

Zu den Isoprenoiden gehören unter anderem unsere Vitamine A, D, E und K und das Cholesterin.

 

Das Cholesterin

 

Es kommt natürlicherweise in fast allen Membranen der Tiere vor. Das Cholesterin ist ein ziemlicher Allrounder, denn es kann die Membranen sowohl flüssiger, als auch fester machen und dient so dazu, die Konsistenz der Membranen konstant zu halten.

 

Aber nicht nur das: Cholesterin ist auch eine Vorstufe für Vitamin D, unsere Steroidhormone und unsere Gallensäuren. Weil Cholesterin so wichtig für unseren Körper ist, kann er es einerseits selbst herstellen.

 

Noch dazu wird andererseits einmal durch den oberen Dünndarm ausgeschiedenes Cholesterin (hierbei als Gallensäure) wieder vom unteren Dünndarm aufgenommen.

 

Ein gutes und schlechtes Cholesterin gibt es übrigens nicht. Es gibt jedoch zwei Proteinkomplexe, die dafür verantwortlich sind, das Cholesterin im Blut zu den Zellen zu transportieren. 

 

Das sogenannte LDL transportiert das Cholesterin von der Leber (wo es hergestellt wird) zu allen anderen Zellen, wo es für die Entstehung neuer Zellmembranen genutzt wird. 

 

Das HDL sammelt es von den Zellen wieder ein und bringt es zur Leber. Der LDL-Spiegel im Blut sollte optimalerweise nicht mehr als 3 mal so hoch wie der HDL-Spiegel sein.

 

Ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut ist aber auch ein zentraler Risikofaktor für Gefäßverhärtungen (eine sogenannte Arteriosklerose). Solche Verhärtungen können zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen.

 

Aber wie entstehen solche Verhärtungen nun genau? Ein Gefäß muss man sich ähnlich einen elastischen Gummischlauch vorstellen. In diesem Schlauch herrscht jedoch niemals Stillstand, denn das Blut fließt unablässig. 

 

Blut ist nicht nur flüssig, sondern enthält auch Zellen. So ist es einleuchtend, dass solche festen Bestandteile auch mal an der Oberfläche des Gefäßes kratzen können und es dadurch zu kleinen Schäden kommen kann. 

 

Für unseren Körper stellt das meistens kein Problem dar, denn dieser hat auch Zellen parat, die den Schaden reparieren. Dummerweise kann sich das LDL aber auch dort ablagern. Es wird dann zwar von unseren Fresszellen erkannt, welche das LDL dann auch in sich aufnehmen. 

 

Leider können sie es jedoch nicht verdauen, weswegen es sich in den Fresszellen ansammelt, die Fresszellen immer größer werden, bis sie irgendwann zu Grund gehen und sich der ganze Inhalt in das Gefäß entleert und als Plaque am Gefäß haften bleibt, wie auch Kalk sich in Wasserschläuchen ansammeln kann. 

 

Irgendwann ist das Gefäß dann soweit, dass es vollkommen verschlossen ist. Kein Blut kann an dieser Stelle durchfließen und das verknüpfte Organ wird nicht mehr mit Blut versorgt: Das Gewebe geht an dieser Stelle unter, es bildet sich ein Infarkt.

 

Zur Zeit wird angenommen, dass die Ernährung einen sehr kleinen Effekt auf einen erhöhten Cholesterinspiegel hat, sondern vor allem Fettleibigkeit und Bewegungsmangel dazu führen, dass das Cholesterin im Blut erhöht ist. 

 

Nimmt man solchen Patienten Blut ab, zeigt sich ein erhöhter Cholesterinspiegel häufig in einem erhöhten LDL (was dann als schlechtes Cholesterin bezeichnet wird, was es eigentlich nicht ist, denn  eigentlich ist es ja ein Protein-Gebilde, was zum Transport des Cholesterin genutzt wird. Aber zur Vereinfachung wird es als das „schlechte Cholesterin“ bezeichnet).

 

Will man seinen Cholesterinspiegel im Blut senken, muss man übrigens nicht auf sein Frühstücksei verzichten.

 

 Es ist nicht nur so, dass bisher kein Effekt von Eiern auf das Cholesterin und auch nicht auf das LDL nachgewiesen wurde, sondern sind Eier und vor allem das Eigelb extrem gesund. 

 

Denn das Ei hat eine optimale biologische Wertigkeit und enthält zahlreiche wichtige Mikronährstoffe wie Folsäure, Phosphor, Natrium, Kalium, Calcium und Vitamin A, D, K, B6 und B12.

 

Was aber tun, wenn man den Cholesterinspiegel senken will? Zum Beispiel kann eine erhöhte Ballaststoffzufuhr helfen. Sie kann dazu führen, dass die Gallensäuren (also auch das Cholesterin) nicht wieder im unteren Dünndarm aufgenommen, sondern ausgeschieden werden. 

 

Das funktioniert aber leider nicht immer, besonders nicht bei angeborenen Formen von erhöhten Cholesterinspiegeln im Blut. Hier helfen häufig nur noch Medikamente. Trotzdem ist ein erster Versuch der Ernährungsumstellung kombiniert mit einer Gewichtsabnahme und ausreichend Bewegung immer empfehlenswert, bevor zu Medikamenten gegriffen werden soll.

 

Fett kann übrigens auch glücklich machen. Denn eine Fettaufnahme aktiviert unser Belohnungszentrum im Gehirn, wir fühlen uns glücklich.

 

 Werden Fette auch noch zusammen mit Kohlenhydraten aufgenommen (z.B. als Chips, Pommes, Donuts) potenziert sich dieser Effekt. Es läuten gleich mehrere Belohnungsglocken, was es auch immer so unsagbar schwer macht, aufzuhören zu essen, auch wenn wir eigentlich keinen Hunger mehr haben :)

 

 


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