Mein Weg zum Medizinstudium

18.03.2018

 

Nein.

 

Es folgt nun keine dramatische Geschichte von meiner Kindheit, die mich zur Medizin geführt hat. Keine Unfälle, keine Sterbenden oder Toten. Ich bin auch weder aus einer Arztfamilie, noch hat mich jemand dazu "gezwungen" mal irgendetwas zu studieren, nur um zu studieren.

 

Dafür erzähle ich euch jetzt meine Geschichte. Ungeschminkt und persönlich.

 

Auch wenn es mir nicht ganz leicht fällt, meinen Weg im Nachhinein aufzuschlüsseln, und obwohl sicherlich auch viele andere Dinge eine Rolle gespielt haben, an die ich nun überhaupt nicht mehr denke, möchte ich euch einen kleinen Einblick geben, wie ich zu meinem bisher größten Traum kam: Der Medizin.

 

In meiner Kindheit schrieb ich in jedes Freundebuch, dass ich später Tierärztin werden wollte. Das lag vor allem an der Sendung „Hund, Katze, Maus“ und ganz besonders an Dr. Wolf, dem Tierarzt, der alle Tiere immer richtig therapierte und ein beneidenswertes unglaubliches Wissen besaß. Als ich dann ein Praktikum bei einer Tierärztin machte, hatte ich jedoch nicht das Gefühl, dass es das Richtige für mich war und schloss damit ab.

 

Und so wusste ich lange Zeit nicht was ich später machen sollte. Ich war aber immer schon viel besser in Mathe, Chemie und Biologie als in Deutsch, Kunst und Fremdsprachen.

 

Ich hüpfte von einem Berufswunsch zum Nächsten. Jahrelang wollte ich Kriminalbeamtin und Rechtsmedizinerin dank Sherlock Holmes und Bill Bass werden. Der medizinische Tod faszinierte mich, aber was mir wirklich gefiel war wie man durch genaue Beobachtung und natürlich auch viel Wissen die Wahrheit herausfand.

 

Und wie es der Zufall will, verlegte Prosieben 2008 die Serie „Greys Anatomy“ auf die Primetime am Mittwoch. Ich zappte rein und war sofort wie gefesselt. Ich sah die andere Seite der Medizin, die Lebendige, bei der es nicht darum ging herauszufinden warum ein Mensch starb, sondern woran er sterben würde, wenn man nicht bald etwas unternimmt. Ich sah wie diese Schauspieler „Leben retteten“ und ich wusste in diesem Moment, dass ich genau das auch tun wollte. Echte Leben retten.

 

Und so sah ich endlich einen Sinn. Einen Sinn in meinem Teenie-Leben, einen Sinn in Schule und endlich einen Hauch meiner Zukunft.

 

Bis dahin war ich ziemlich mittelmäßig in der Schule, da ich schlicht gesagt kein Ziel hatte. Es interessierte mich nicht irgendwelche Sprachen zu lernen. Geschichte, Kunst und Deutsch ödeten mich einfach nur an.

 

 Ich weiß auch noch wie ich allen in meiner Familie erzählte, dass ich Neurochirurgin werden will (natürlich hatte ich Derek Shepherd als Vorbild) und wie sie mir antworteten, wie schwer das sei und wie gut ich dazu in der Schule werden müsste.

 

Sie hatten Recht.

 

Ich verglich meinen Notendurchschnitt (3,0) mit dem Zielwert (1,0). Ich erinnere nicht mehr genau was ich in diesem Moment fühlte. Ob es Freude war oder ob ich Angst hatte, aber eines hatte ich: endlich ein klares Ziel vor Augen. Und ich kann euch sagen, mein Ehrgeiz war noch nie so sehr geweckt wie damals.

 

Von da an arbeitete ich hart an mir. Ich wusste ich hatte unglaublich viele Lücken, die es zu füllen galt und nur ein Jahr Zeit, bis es darum ging, dass jede Note zählte.

 

Die Bibliothek war immer schon einer meiner Lieblingsorte. Mit meinem Vater fuhr ich oft zu unserer Stadtbibliothek und lieh mir Bücher aus. Normalerweise waren es Krimis und Romane. Diesmal wollte ich mich aber über das Studium informieren und fand dabei zufällig den Ratgeber „30 Minuten Zeitmanagement“ von Lothar Seiwert. Er beschrieb wie man effektiver und produktiver wird, wie man Prioritäten setzt und seine Ziele erreicht. Ich verschlang dieses Buch an einem Abend und machte alles genau so nach.

 

Jeder meiner Tage war extrem durchgetaktet, aber mir gefiel das, denn ich hatte mich ja selbst dazu entschieden. Anstatt in die Schulbücher zu schauen, aus denen ich sowieso nichts lernte, kramte ich die alten Englisch-Karteikarten von meinem Vater heraus (Englisch war damals meine größte Schwachstelle) und lernte jeden Tag neue Wörter. Filme und Serien sah ich nur noch auf Englisch an. Und es funktionierte:

 

Ich begann das Schuljahr mit einer 4 und beendete es mit einer 2. Nach der 10. Klasse wählte ich alle Fächer ab, in denen ich schlecht war und schaltete dadurch so viele Schwachstellen wie möglich aus.

 

Für den Deutsch-Unterricht kaufte ich mir zu jedem Buch den Lektüreschlüssel dazu und mit einem Mal machte mir Deutsch sogar Spaß. Denn ich konnte die Bücher endlich verstehen, selbst die Fragen meiner Lehrer beantworten. Es ging sogar so weit, dass ich auch in meiner Freizeit Schiller und Goethe las.

 

Natürlich bekamen das auch meine Mitschüler mit und nicht von allen Seiten war die Reaktion positiv. Ich wurde „Streber“, „eingebildet“ oder „arrogant“ genannt. Ich weiß nicht, ob es einen Weg gibt, der es leichter macht mit solchen Kommentaren umzugehen. Ich kann nicht sagen, dass es mir egal war, denn das war es nicht und ich denke, dass man jemanden auch nicht einfach den Rat geben kann sich etwas nicht so sehr zu Herzen zu nehmen, denn das kann man ja nicht einfach abstellen.

 

Ich versuchte mich still über meine Noten zu freuen, um nicht als eingebildet zu gelten, aber sah es nicht ein, nicht meine Meinung zu sagen und mich nicht genauso häufig im Unterricht zu melden. Denn ich hatte mir auch das Ziel gesetzt, mein Allerbestes zu geben, um nach dem Abitur sagen zu können, ich hätte alles versucht und es nicht bereute, mich nicht mehr angestrengt zu haben.

 

Und wenn ich jetzt so zurückblicke, dann weiß ich auch, dass ich damals mein Bestes gegeben habe. Und ganz genau deshalb würde ich es wieder so machen, denn nun lebe ich meinen Traum und genau mein Glaube an mich Selbst und mein Wille es zu schaffen, haben mich hierher gebracht. 

 

Was ich damit sagen will, ist: Es wird immer Menschen geben, die das, was wir tun, nicht verstehen oder sogar verurteilen, aus welchen Gründen auch immer. Wenn wir uns aber zu sehr darum bemühen, es allen Recht zu machen, werden wir unseren Traum aus den Augen verlieren. Also geht euren Weg, egal welcher das ist, gebt immer euer Bestes, tut alles mit Liebe und ihr werdet jemanden da draußen glücklich machen, und noch viel wichtiger: Ihr werdet selbst glücklich sein. ♥️ 

 

Ich weiß aber auch, dass das alles niemals möglich gewesen wäre ohne die unglaubliche Unterstützung meiner gesamten Familie. Dass sie immer an mich geglaubt haben, auch wenn sie es nicht immer leicht mit mir hatten. An dieser Stelle möchte ich einfach „Danke“ sagen, falls ihr das hier lest. Danke fürs immer an mich glauben, danke für all die Freiheiten, die ihr mir gelassen habt und danke, dass ihr mich nie aufgegeben habt.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Lea (Montag, 11 Juni 2018 14:47)

    Woowww ☺
    Ich bin total geschockt, genau wie du geht es mir gerade. Ich wollte auch Tierärztin werden, meine Berufswünsche wechselten ständig und bin gut in Mathe, Biologie, Chemie. Wie bei dir sind Fremdsprachen mein Problem. In Englisch kimmer ich immer so mit einer 3 durch, aber auch in Deutsch bin ich nicht sonderlich gut. Ich bin jetzt in der 10. Klasse euner Realschule und mache meine mittlere Reife, also vom Medizin Studium weit entfernt. Ich wusste nie was ich machen wollte nach der Schule, weil mein Berufswunsch sich ständig geändert hat. Aber seit einem halben Jahr will ich Ärztin werden. Mein erstes Kennenlernen war auch mit Grey's Anatomy, die Serie hat mich einfach in diesen Bann gezogen. Ich bin total fasziniert von dem menschlichen Körper und wie es funktioniert. Ab September werde ich auf ein Gymnasium wechseln um mein Abitur zumachen um danach hoffentlich zu studieren. Ich hoffe es wird alles klappen. Wahrscheinlich werde ich aber nach dem Abi erstmal eine Ausbildung machen zu Operationstechnischen Assistentin machen. Alleine wegen den langen Wartesemestern �.
    Dein Blog motiviert mich total.
    Danke !!!!

  • #2

    Angelina von byangelina.com (Samstag, 16 Juni 2018 20:40)

    Hi Lea,

    oh wow, eine Seelenverwandte! Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass du ein so gutes Abitur machst, damit du nicht warten musst! Kannst mir gerne immer schreiben, falls du Hilfe brauchst. ♥️


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